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20-07-10, 07.30h WiVo

Verdrängt - und doch nicht vergessen!
Die Rote Kapelle - linker Widerstand in ganz Europa



Am 20. Juli 2010 gedenken wir auch und vor allem der weit mehr als hundertdreißig Frauen und Männer, die unter Einsatz ihres Lebens schon 1942 im Kampf gegen Naziverbrechen, Gestapo- und SS-Terror ihr Leben geopfert haben. Sie scheuten kein Risiko und kämpften mutig und entschlossen überall im von der Nazi-Wehrmacht besetzten Europa für das schnelle Ende des mörderischen Krieges und zugleich für eine friedliche Welt und ein Europa in Freiheit und Sozialismus.

Gegen das Verdrängen und Vergessen

Besonders in Westdeutschland
wird der Kampf und der Tod der Frauen und Männer der Roten Kapelle verdrängt und vergessen. Diese wahre Demokraten, Humanisten und Internationalisten glaubten an die gemeinsame Zukunft aller Menschen in Euopa. Schon damals kämpfen sie für ein Europa frei von Faschismus und Unterdrückung und eine Zukunft für alle in Sozialismus und Demokratie. Nach dem ersehnten Ende der NS-Regimes wollten sie auch in Deutschland planwirtschaftliche Elemente einführen und mit der Sowjetunion zusammenarbeiten - ohne deutsche Brücken nach Westeuropa abzubrechen.

Ab 1935 organisierte Harro Schulze-Boysen den Widerstand in Deutschland. In den Folgejahren versuchte er die deutschen Widerstandsgruppen zu vernetzen und nahm auch schon zu Beginn der 40er Jahre Kontakt zu den Geschwistern Scholl und der "Weißen Rose" in München auf. Die meisten Kämpferinnen und Kämpfer der Roten Kapelle wurden von den Schergen der Nazis vefolgt und ergriffen, auf bestialische Weise geschunden, gehenkt und enthauptet - Männer wie Frauen gleichermaßen. Etwa einhundertdreißig zur gleichen Zeit um die Jahreswende 1942/43. Dies war lange vor dem 20. Juli 1944 - als die Nazis noch überall scheinbar unaufhaltsam triumphierten und allen die Köpfe vernebelten.

Harro Schulze-Boysen in einem illegalen Flugblatt schon im Februar 1942: „Das Gewissen aller wahren Patrioten aber bäumt sich auf gegen die ganze derzeitige Form deutscher Machtausübung in Europa. Alle, die sich den Sinn für echte Werte bewahrten, sehen schaudernd, wie der deutsche Name im Zeichen des Hakenkreuzes immer mehr in Verruf gerät. In allen Ländern werden heute täglich Hunderte, oft Tausende von Menschen standrechtlich und willkürlich erschossen oder gehenkt, Menschen, denen man nichts anderes vorzuwerfen hat, als daß sie ihrem Land die Treue halten… Im Namen des Reiches werden die scheußlichsten Quälereien und Grausamkeiten an Zivilpersonen und Gefangenen begangen. Noch nie in der Geschichte ist ein Mann so gehaßt worden wie Adolf Hitler. Der Haß der gequälten Menschheit belastet das ganze deutsche Volk.“

Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen eröffneten eine "Innere Front" gegen die Nazis und ihren Terror- und Unterdrückungsapparte. Manche Kämpferinnen und Kämpfer der roten Kapelle savotierten auch vorsätzlich die Kriegs-, die Rüstungs und die Transportmaschinerie, wo immer sie es konnten. Nicht nur in Berlin und Hamburg, sondern überall in Europa riskierten die Männer und Frauen der Roten Kapelle ohne zu zögern ihr Leben.

So haben sie, wo immer sie es konnten, auch wenn sie selbst im Untergrund kämpften, von der "Endlösung" tödlich bedrohte jüdische Menschen versteckt und gerettet. Die wenigen Kämpferinnen und Kämpfer, die wie Leopold Trepper überlebten, verloren allzu oft schon im Jahre1 1945 ihre wiedergewonnen Freiheit erneut: Sie hatten sich freiwillig den Stalinisten anvertraut Von diesen wurden sie unter fadenscheinigen Gründen gnadenlos eingesperrt und verschwanden wie Leopold Trepper für viele Jahre hinter Gittern. Denn auch die Stalinisten haben Sozialismus, Freiheit und Demokratie mit den Füßen getreten und sind vor Mord und Totschlag nicht zurückgeschreckt, wenn sich ihnen demokratische Sozialisten wie Leopold Trepper nicht beugen wollten.