| Vorbeugende Kinder- und Jugendhilfe ausbauen Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordere mehr Schulpsychologen in Rheinland-Pfalz, so GEW-Landeschef Klaus-Peter Hammer. Die Gewaltbereitschaft von Schülern gegenüber Lehrerinnen und Lehrern habe "deutlich zugenommen". Die Dunkelziffer sei groß, weil viele Pädagogen fürchteten, dass ihnen die Publikation derartiger Attacken als Schwäche ausgelegt werde.
DIE LINKE unterstützt die Forderungen der GEW nach besserer Gewaltprävention in den Schulen und nach mehr Sozialpädagogen und Schulpsychologen. Damit ist es allerdings nicht getan. So ist die noch weitaus häufigere Gewaltausübung von Kindern und Jugendlichen untereinander ein wesentlich deutlicherer und aussagekräftigerer Problemindikator.
Die Fachleute der Kinder- und Jugendarbeit betonen seit langem, dass Erfolgversprechende Prävention lange vor der Einschulung von Kindern beginnen muss und nicht auf Gewaltprävention begrenzt werden darf. Gewaltbereitschaft, die sich in Schulen, in der außerschulischen Freizeit und in Familien auch für Außenstehende manifestiert ist immer Ausdruck sehr viel umfassenderer Probleme und findet regelmäßig ihre Ursache in sehr viel früheren Entwicklungsstadien der Kinder.
Negative gesellschaftliche Umstände, rapide sich verschlechternde materielle Bedingungen, Langzeitarbeitslosigkeit, Armut und Bildungsdefizite in den Elternhäusern begünstigen schon bei Kleinkindern unerwünschte Fehlentwicklungen der Kindespersönlichkeit und führen u. a. auch zu mehr Gewaltbereitschaft. Werden Kinder und Jugendliche erst einmal mit Gewaltbereitschaft in der Schule auffällig, ist es für Prävention längst zu spät und aktuelle Krisenintervention ist angesagt. Die Chancen für einen doch noch 'guten' Lebensweg der Kinder und Jugendlichen sind dann leider oft schon stark beeinträchtigt und müssen dann in Einzefallhilfe über längere Zeiträume angegangen werden.
Überdies ist von der übrigen Kinder- und Jugendhilfe isoliert betriebene Gewaltprävention nur wenig Erfolg versprechend. Die Entwicklung junger Menschen kann nur richtig verstanden und positiv beeinflusst werden, wenn sie mit ganzheitlichen Konzepten angegangen wird, betont der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der LINKEN für Kinder, Jugend und Soziales, Dr. Wilhelm Vollmann.
DIE LINKE fordert den beschleunigten Ausbau möglichst früh einsetzender, niederschwelliger, 'zugehenden’ Kinder- und Jugendhilfe mit präventivem und intervenierendem Charakter. Die verstärkte Einbeziehung der Eltern und des familiären Umfelds ist dringend geboten. Die Öffentliche Jugendhilfe benötigt dazu mehr qualifiziertes Personal und allgemeine Ressourcen. Die effektive Vernetzung aller Träger der Öffentlichen und Freien Jugendhilfe ist zwingend. Partikuläre Kinder- und Jugendhilfe vorneinander unabhängig geförderter Träger ermöglicht i. d. R. keinen effektiven Ressourceneinsatz.
Landesministerin Ahnen SPD ist aufgefordert, die verstärkte Unterstützung der kommunalen niederschwelligen, präventiven und intervenierenden Kinder- und Jugendhilfe durch entsprechende Landesförderprogramme zu gewährleisten. Das von Fachleuten in vielen anderen Bundesländern favorisierte so genannte ‚Dormagener Modell’ könnte in Form von landesgeförderten Pilotprojekten auch in Rheinland-Pfalz Wege aus der ständig wachsenden Misere der Kinder- und Jugendhilfe aufzeigen. (Information zum Dormagener Modell, bitte hier klicken!) Redaktion 10-03-10 9:30h |