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Nürburgring: Mehr als 250 Millionen Verlust zu erwarten

Die Besucherprognosen für den „Freizeitpark Nürburgring“ sind offenbar von Anfang an nach Hochstaplermanier verdreifacht worden. Im Untersuchungsausschuss des Landtags musste die Landesregierung kleinlaut einräumen, dass „veraltete Zahlen“ aus den Jahren 2005/2006 zugrunde gelegt worden sind. Festzuhalten bleibt jedoch auch, dass es außer „Wolkenkuckucksheim-Erklärungen zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei konkrete Planungen für das Projekt "ringwerk" gegeben hat. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mit großem Getöse wurden zunächst mehr als 500.000 zu erwartende zusätzliche Besucher gefeiert. Erst vor wenigen Wochen musste aber die Landesregierung dieses Potemkinsche Propagandadorf auf 170.000 korrigieren. Aber auch die „neuen“ Zahlen sind wahrscheinlich übertrieben. Währenddessen erwartet die mittelständische Gastronomie und Hotellerie der Eifelregion durch das Nürburgringprojekt und die „Heldentaten“ der Landesregierung dramatische Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzverluste.

Am 18. Februar berichtete die "Rhein-Zeitung" über ein seit November vorigen Jahres durch die Landesregierung geheim gehaltenes Gutachten. Diese versucht sich wie immer herauszureden: Es handele sich lediglich um eine Zusammenfassung von Überlegungen und Szenarien, die überdies allesamt in das „neue Zukunftskonzept“ eingeflossen seien. Die einzige Kreativität der Landesregierung beim Nürburgringprojekt besteht offenbar im Erfinden immer neuer fauler Ausreden. Der renommierte Wirtschaftsprüfer Ernst & Young hat schon damals für das Nürburgringprojekt ein Verlustrisiko von bis zu 250 Millionen Euro festgestellt. Dank der Finanzierungskünste des ehemaligen Finanzministers Deubel und der ihm nachfolgenden Verantwortungsträger der Landesregierung hat das Land dieses Verlustrisiko aus Steuermitteln zu tragen.

Das neue „Zukunftskonzept“ des Managements und der Landesregierung lässt aber keinerlei einschneidenden Situationsverbesserungen erkennen. In dem fast undurchdringlichen Dschungel der eigens für das Nürburgringprojekt gegründeten Briefkastenfirmen und Unternehmen scheint lediglich wie beim „Bäumchen Wechsel Dich“ nur eine neue Rollenverteilung vorgesehen. Als äußerst zweifelhaften Erfolg kann die Landesregierung aber immerhin verzeichnen, dass die Tatsache, dass die vom Land zu finanzierenden Investitionskosten inzwischen explodiert sind, in diesem Towubahou nahezu vollständig untergeht.

Als dem „Retter in der Not“ wurde der Lindner Gruppe bei der geplanten neuen Betriebsgesellschaft die Federführung übertragen. Diese bleibt aber am Risikokapital des Projekts völlig unbeteiligt. Das gesamte Risiko trägt nach wie vor allein das Land aus Steuergeldern. Trotzdem kassiert die Lindner Gruppe alle laufenden Erträge und Gewinne – und muss zugleich nicht einmal die Refinanzierungskosten tragen. Außerdem hat offenbar die Landesregierung von der MSR, dem „Unternehmen“ des neuen „Nürburgring-Chefmanagers“ Kai Richter, Abschreibungen und Zinsaufwendungen von jeweils ‚minus 41,7 Mio. und minus 89,6 Mio. blind übernommenen.

Der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young hat in seinem Gutachten festgestellt, dass dort Kostenpositionen von 0,5 - 1 Mio. Euro nicht ausgewiesen wurden. Die MSR kann selbst keinerlei Angaben machen, welche Kosten erwirtschaftet werden müssten, bevor auch nur theoretisch Gewinne möglich würden. Durch seriöse Prognosen unter realistischem Zahlenmaterial wäre die jetzt absehbare Katastrophale lange vor Beginn des Projekts Nürburgring erkennbar gewesen. Wie angesichts der neuen Besucherprognosen und der Verdoppelung der Investitionskosten ein landesfinanzierte Vergnügungspark am Ring je die gigantischen Verluste aus dem Formel-I-Rennbetrieb ausgleichen und in eine positive Bilanz münden soll, steht in den Sternen.

Die Landesregierung hat äußerst zögerlich zugeben müssen, dass ihr die Inhalte des Gutachtens von Ernst & Young bereits Ende November 2009 bekannt gewesen sind. Sie wird jetzt erklären müssen, warum sie bis heute daraus keine Konsequenzen gezogen hat. Alle Kritiker sind sich inzwischen einig, dass die SPD-Landesregierung unter Kurt Beck in Wahrnehmung der Verantwortung für die sauer erarbeitenden Steuergelder der Bürgerinnen und Bürger das Hasardeur-Projekt am Nürburgring niemals hätte zulassen, geschweige denn dafür auch noch die Haftung hätte übernehmen dürfen.

Die Erfolgsaussichten des Projektes Nürburgring gehen gegen Null. Die daraus resultierenden finanziellen Risiken für das Land sind aber ausgesprochen groß. Kurt Beck und seine SPD-Landesregierung werden die politische Verantwortung früher oder später vollständig übernehmen müssen.

Nur so ganz nebenbei: Im Untersuchungsausschuss kam auch aufs Tapet, dass das fürstliche Honorar von Ex-Tennisprofi Boris Becker für seine „Leistungen“ als vorgeblichen „Botschafter des Nürburgring“ vom Projektmanagement unter der Hand einfach verdoppelt wurde. Becker sollte ursprünglich „nur“ 252 Tausend Euro erhalten. Am Ende sind daraus fast 500 Tausend geworden.

Auch wenn das im Vergleich zum Gesamtaufwand, den das Land aus öffentlichen Geldern zu tragen hat, nur „Peanuts“ sind, wirft es doch ein Schlaglicht auf Gesinnung und Verhalten der Verantwortlichen und die nicht vorhandene Kontrolle. Ex-Finanzminister Deubel und Wirtschaftsminister Hering von der SPD haben sich wie ihr Chef Kurt Beck im Gegensatz dazu bei den Diskussionen um die Hungerregelsätzen für Hartz-IV-Kinder äußerst pingelig und bedeckt verhalten.

by WiVo, 21-02-2010, 10:30h